Neueste molekularbiologische Verfahren machen für uns eine bisher unbekannte Welt der Mikroorganismen sichtbar, die uns staunen lässt: Wir Menschen bestehen aus mehr Bakterien- als eigenen Körperzellen; in einem Teelöffel fruchtbarer Erde befinden sich mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde.

Bei genauerem Hinschauen wird das Individuum zum vernetzten „Holobionten“ – einem Viellebewesen. Pflanzen, Tiere und Menschen haben sich von Beginn an in Ko-Evolution mit der mikrobiellen Gemeinschaft entwickelt und speziell angepasste Mikrobiome entwickelt.

Mit dieser Tagung bringen wir WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen aus der Landwirtschaft und dem Ernährungsbereich zusammen und gehen der Frage nach:

Wie hängen Mikrobiom des Bodens und Mikrobiom des Menschen zusammen und was bedeuten die neuesten Erkenntnisse für die landwirtschaftliche Praxis und unsere menschliche Ernährung?

Die Referierenden

Prof. Dr. Michael Schloter

Michael Schloter ist Leiter der Abteilung für Umweltgenomik am Helmholtz Zentrum München. Er studierte Biologie in München und promovierte 1994 an der Universität in Bayreuth am Lehrstuhl für Genetik. Sein Arbeitsschwerpunkt bilden Untersuchungen zur genetischen Vielfalt der Mikroflora in unterschiedlichen Umweltkompartimenten. Darüber hinaus sind Studien zur Erfassung humaner Mikrobiome ein weiteres Arbeitsfeld. Ziel ist es, Wechselbeziehungen zwischen Mikroorganismen zu verstehen und deren Bedeutung für das Funktionieren von Ökosystemen zu beschreiben. Hierzu nutzt die Gruppe von Michael Schloter modernste Hochdurchsatzsequenzierverfahren. Seine Gruppe hat in den letzten Jahren mehr als 150 Publikationen veröffentlicht, darunter in den Fachzeitschriften Nature und PNAS. Michael Schloter ist seit 2001 als Dozent an der TU München tätig und wurde 2010 zum Honorarprofessor für Mikrobiologie ernannt.

Prof. Dr. Gabriele Berg

Gabriele Berg ist Biologin, Biotechnologin und Hochschullehrerin für Umweltbiotechnologie an der Technischen Universität Graz. Ihre Forschungsschwerpunkte sind molekulare Analysen mikrobieller Funktionen an der Pflanze speziell in der Rhizosphäre sowie die Entwicklung nachhaltiger Verfahren zum Pflanzenschutz und zur -vitalisierung mit antagonistischen Mikroorganismen und Bioeffektoren.

Prof. Dr. Dr. Martin Grassberger

Martin Grassberger studierte Medizin sowie Biologie in Wien und ist Facharzt für Gerichtsmedizin. Er lehrt unter anderem an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien und an der Medizinischen Fakultät der Sigmund Freud Universität Wien in den Fachgebieten Human- und Gesundheitsökologie, Evolutionäre Medizin, Forensische Medizin und Pathologie. Er ist Autor zahlreicher Publikationen. Sein Buch „Das leise Sterben“ wurde Wissenschaftsbuch des Jahres 2020 in der Kategorie Naturwissenschaft/Technik. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen „Das unsichtbare Netz des Lebens“ (2021).

Prof. Dr. Michael Weiß

Michael Weiß hat sich an der Universität Tübingen in internationalen Kooperationen intensiv mit Grundlagenforschung zur Evolution, Ökologie und Systematik der Pilze beschäftigt. Seit 2015 leitet er das Steinbeis-Innovationszentrum Organismische Mykologie und Mikrobiologie. Ein aktuelles Projekt beschäftigt sich mit der Herstellung effektiver Trockendünger durch Fermentation von Lebensmittelresten mit Biomasse aus der Kulturlandschaft, ein anderes mit der Entwicklung innovativer Beizverfahren mit wurzel-assoziierten Mikropilzen, um die Toleranz von Pflanzen gegen verschiedene Arten von Stress (z.B. Trockenheit oder Schädlingsdruck) zu stärken. Er ist Außerplanmäßiger Professor der Universität Tübingen.

Christoph Felgentreu

Studium der Pflanzenproduktion und Zusatzstudium zum Fachingenieur für Futterproduktion an der HU Berlin. Von 1990 bis 2013 Leiter der Betriebsstätte Deutsche Saatveredelung AG in Bückwitz, seit 2010 Produktmanager für Zwischenfrüchte und Bodenfruchtbarkeit. Aktuelle Fragen der Landwirte wurden am Standort Bückwitz aufgegriffen und versucht auf 2,5 ha Versuchsfläche zu beantworten. Schwerpunkte der Forschung waren die Pflanzenernährung, Bodenbiologie sowie die Entwicklung von Pflanzenbausystemen. Dies geschah praxisnah und unter Beachtung wissenschaftlicher Ansprüche. Seit Januar 2020 Mitglied im Vorstand der Interessengemeinschaft gesunder Boden e. V..

Worum es uns geht

Neue Wege

gehen

Die aufbauende Landwirtschaft ist ein System von Prinzipien und landwirtschaftlichen Praktiken, bei denen der Aufbau der Bodenfruchtbarkeit und die Erzeugung gesunder und nährstoffreicher Lebensmittel die höchste Priorität haben. Sie betrachtet natürliche Systeme in ihrer Ganzheit und in ihrer Komplexität. Im Vordergrund stehen die Förderung von Vielfalt, Lebendigkeit und Gesundheit, von Boden, Pflanze, Mensch und Natur.

Die aufbauende Landwirtschaft ...

  • verbessert die Bodenfruchtbarkeit,
  • steigert die Vielfalt und Lebendigkeit von lokalen Ökosystemen,
  • ermöglicht nährstoffreichere Lebensmittel,
  • und verbessert das Immunsystem und die Gesundheit von Boden, Pflanze, Tier und Mensch.

BODENNAHRUNGSNETZ

PFLANZEN-VITALISIERUNG

HOLOBIONT

STEIGERUNG DES IMMUNSYSTEMS

FERMENTE

JOHNSON SU BIOREACTOR

KOMPOST-TEES

MYKKORHIZA

EFFEKTIVE MIKROORGANISMEN

MILIEUSTEUERUNG

GESUNDE LEBENSMITTEL

Zielsetzung & Ausrichtung:

Mit dieser Tagung kommen Mikrobiom-Forschende (Wissenschaft) und Mikrobiom-Fördernde (PraktikerInnen aus den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung) zum Thema Mikrobiom des Bodens und des Menschen zusammen.

Wir präsentieren aktuelle und faszinierende wissenschaftliche Erkenntnise der Mikrobiomforschung und ermöglichen einen Austausch und Dialog. Wir möchten die Verbindungen des Bodenmikrobioms und des menschlichen Mikrobioms aufzeigen und gemeinsam "neue" Handlungsmuster und -felder für die landwirtschaftliche Praxis und die menschliche Gesundheit entwickeln.

 

Zentrale Fragen Tagung:

Was zeigen uns aktuelle Forschungen zum Mikrobiom des Bodens und des Menschen? Wie hängen Bodenmikrobiom und Darmmikrobiom zusammen? Welche Konsequenzen hat das auf unsere Sicht der Welt und was bedeutet das für die landwirtschaftliche Praxis und die menschliche Ernährung?

Datum: 22.September 2022
Uhrzeit: 09:00 - 17:30 Uhr, online

8:45 Ankommen
9:00 10' Begüßung
Manuel Nagel & Stefan Schwarzer (Aufbauende Landwirtschaft e.V.)
9:10 30' Kennenlernen & Austausch der Teilnehmenden
9:40 10' Das unsichtbare Netz des Lebens - Zusammenhänge verstehen
Manuel Nagel & Stefan Schwarzer
9:50 30'+10' Die Holobionten-Revolution: Das Mikrobiom und seine Bedeutung für unsere Gesundheit
Martin Grassberger
10:30 15' Austausch
10:45 15' Pause
11:00 30'+10' Das Bodenmikrobiom - Grundlage für die Multifunktionalität von Böden
Michael Schloter
11:40 25'+5' Das Rhizobiom — von endophytischen Pilzen und Bakterien-Snacks
Michael Weiß
12:10 30' Austausch
12:40 40' Mittagspause
13:20 30'+10' Das Pflanzenmikrobiom - neue Erkenntnisse für eine diverse und zirkuläre Landwirtschaft
Gabriele Berg
14:00 30'+10' Was bedeuten diese Erkenntnisse für die Landwirtschaft?
Christoph Felgentreu
14:40 30' Austausch
15:10 20' Pause
15:30 60' Podiumsgespräch mit den Referierenden
16:30 20' Kondensieren
16:50 30' Zusammentragen
17:20 10' Abschluss
17:30 Ende

 

Initiatoren und Organisatoren

Organisiert wird die Tagung von Stefan Schwarzer und Manuel Nagel.

Stefan Schwarzer ist Physischer Geograf und Permakultur-Designer. Er hat bis 2021 über 20 Jahre für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in Genf gearbeitet, wo er sich mit globalen Umweltthemen beschäftigte. Die Verbindung globaler Interessen und Ziele mit lokalen Handlungen, vor allem in Form von einer aufbauenden Landwirtschaft in Anlehnung an die Permakultur, ist eines seiner Hauptanliegen. Er ist Co-Autor des Buches “Die Humusrevolution” und Initiator und Organisator des Symposiums und der Webinar-Reihe “Aufbauende Landwirtschaft”. Er lebt seit Ende 2012 in der Lebensgemeinschaft Schloss Tempelhof, wo er auch rein praktisch aufbauende Methoden der Landwirtschaft mit gestaltet.

Manuel Nagel ist Nachhaltigkeitsökonom, Mit-Gründer von Aufbauende Landwirtschaft e.V., vom Kolibri-Netzwerk für Marktgärten und Mikrofarmen sowie freier Mitarbeiter der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL). Zuvor hat er mehrere Jahre auf einem Demeter Betrieb gearbeitet und an der Universität Oldenburg im Bereich der Klimaanpassung geforscht. Er interessiert sich für am Menschen ortientierte und naturkooperative Ansätze der Landbewirtschaftung. Ob ihn kleinskalierten Formen wie der Marktgärtnerei oder in größeren Dimensionen einer aufbauenden Landwirtschaft, sein Hauptanliegen ist es, die Selbstwirksamkeit der Landwirte durch in Beziehung treten mit dem Lebendigen zu fördern.

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